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„Buena Vista Social Club“ – Musik-Klassiker aus Kuba

„Buena Vista Social Club“ – Musik-Klassiker aus Kuba

Das wohl bekannteste aller Klassiker-Alben der Latin Music ist das von Buena Vista Social Club aus dem Jahre 1996.

„Buena Vista Social Club“Buena Vista Social Club / Ry Cooder – „Buena Vista Social Club“

World Circuit, Indigo / 1996
Kuba / Son

Als 1996 das legendäre Album “Buena Vista Social Club” (BVSC) als Musikprojekt von Ry Cooder und Juan de Marcos González entstand, ahnte niemand, das es das erfolgreichste Weltmusik-Album (und damit auch Latin Music-Album) aller Zeiten werden würde. Die Gründe für diesen sagenhaften Erfolg sind vielfältig. Es mag eine Rolle gespielt haben, dass hiermit eine goldene Ära der kubanischen Musik von originalen Musikern als Neueinspielung wiedererweckt wurde. Dem Publikum gefiel natürlich auch, dass Compay Segundo, Rubén González & Co als Senioren ein später Weltruhm zuteilwurde, der etwas Märchenhaftes hatte. Ihre Karrieren waren schließlich zu diesem Zeitpunkt zum großen Teil schon lange beendet. Man konnte diese Repräsentanten einer vergangenen Zeit danach in Konzerten und nicht nur als Konserve erleben. Es entstand ein Zeitreise-Effekt und der BVSC-Film von Wim Wenders trug noch mehr zur Popularität infolge bei. Aber auch der hochemotionale Gesangsstil der Sänger wie Ibrahim Ferrer oder Omara Portuondo, der immer den Eindruck hinterließ, hier geben Hochbetagte noch mal alles, kam gut an. Ferner wurde die Flamme geschickt am Brennen gehalten. Etliche Nachfolgeprojekte nutzten den Ursprungserfolg weiter aus und viele andere Musiker den Begriff „Buena Vista“ für Nachahmer-Projekte. Kein Wunder, „Buena Vista“ ist ein Stadtteil Havannas und daher als Name nicht geschützt. Um die Trittbrettfahrer etwas auszubremsen, ließ Produzent Nick Gold den Namen „Orquestra Buena Vista Social Club“ daher als Trademark eintragen. Die zunehmende Popularität Kubas als Urlaubsland mag auch zum Buena Vista-Boom beigetragen haben. Musikalisch gesehen traf die Musik, hauptsächlich Son der 1940er und 1950er Jahre, in bestimmter Weise auch den Geschmack der zunehmend älter werdenden Weltmusik-Konsumenten. Im Vergleich zu aktuelleren Stilen kubanischer Musik, wirkt der BVSC-Stil vergleichsweise gemütlich, ist zwar tanzbar, aber nicht zu schweißtreibend, und ruft Assoziationen zu edler Atmosphäre wach. So geriet BVSC durchaus zur Lieblingsmusik der Generation, die bereits in den 1980ern sich für Weltmusik zu interessieren begann und nun die 50 überschritten hat, während sich jüngere Weltmusik-Konsumenten eher auf Mestizo-Bands stürzen, wenn es um Latin-Rhythmen geht. Allerdings zog der BVSC auch Publikum, das bislang nicht größer mit Weltmusik zu tun hatte. BVSC wurde ein Hype, zu dem man wie in ein Dauerbrenner-Musical ging. Dass nach 2005 bereits vier der Original Buena Vistas gestorben waren, tat dem Phänomen keinen Abbruch. „Buena Vista“ ist heute für viele ein Synonym für kubanische Musik, egal wer sie spielt. Allerdings kritisieren schon lange kubanische Musiker, dass durch den Erfolg des BVSC die aktuellen Musikströmungen Kubas etwas aus dem Blickfeld gerieten und dass eine Musik, deren große Zeit schon rund 60 Jahre vorbei ist, nicht die aktuelle kubanische Musik repräsentiere. 2015 ging der BVSC auf endgültige Abschiedstournee.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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