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Klassiker-Alben aus Lateinamerika: Arturo Sandoval – „Tumbaito“

Klassiker-Alben aus Lateinamerika: Arturo Sandoval – „Tumbaito“

Hier werden regelmäßig Klassiker-Alben aus der lateinamerikanischen Musikszene vorgestellt. Heute: Arturo Sandoval mit seinem Album „Tumbaito“.

(Foto: „_23C8806“, The United States Army Band / CC BY-SA 2.0, bearbeitet)

Arturo Sandoval – „Tumbaito“Arturo Sandoval – „Tumbaito“

Timba Records, Termidor, Edel Contraire / 1987
Kuba / Latin Jazz

Es gibt zwei Trompeter, die man als „High-Note-Kings“ bezeichnen kann, der 2006 verstorbene Maynard Ferguson und der Kubaner Arturo Sandoval. Dieser startete seine Karriere in der legendären kubanischen Band Irakere und setzte sich 1990 während einer Italien-Tournee in die USA ab. Sein Meisterstück liefert er auf „Tumbaito“ gleich zu Beginn: „A Night In Tunisia“, ein Jazzklassiker seines großen Vorbildes Dizzy Gillespie.

Aus dem Original macht Sandoval eine Art Formel 1-Rennen, hochenergetisch, alle Raketen zündend, die ein musikalisches Feuerwerk so bieten kann. Sein Trompetenspiel weckt Tote auf. Er schickt messerscharfe Trompetenstöße, die einen zusammenzucken lassen, durch die Boxen, er pfeift, stottert, spricht wie ein Baby durch seine Trompete. Aus dem Furiosen heraus bläst er im nächsten Moment völlig leise. Wenn man meint, der Ton geht nicht höher, dann setzt er noch einen oben drauf. Wer ihn einmal derart spielen gesehen hat, glaubt vielleicht, dass dem Meister jeden Moment die Lunge platzt. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Gleichzeitig hasst es Sandoval eigentlich, wenn man ihn darauf anspricht. Es geht ihm um die Seele seiner Musik. Seine Virtuosität, mit der er für unspielbar gehaltene Töne und Geschwindigkeiten schafft, ist extreme Emotion. Aber ebenso ist er ein musikalisch offener Mensch. Mit seiner Band spielte er auch Disco und hier mischt er an manchen Stellen Klassik und Funk in einem einzigen Stück ein. Trotz seines rasanten Spiels, das einen fast erschlägt, bleibt er im Ton immer präzise. Technisch ist er unerreicht. Aber er zeigt ebenso, dass er dezent spielen kann. Auch seine Bandmitglieder beweisen, dass es in Kuba eine überdurchschnittliche Menge an meisterlichen Virtuosen auf ihren Instrumenten gibt. Die Arrangements und die psychedelische Gitarre lassen Sandovals Musik manchmal wie Bebop im Fusion-Gewand erscheinen, was etwas ungewöhnlich klingt. Sie demonstrieren aber auch, wie der kubanische Hintergrund aller Musiker aus dem amerikanischen Jazz eine selbständige, hochenergetische kubanische Variante entstehen ließ, die auch oft für die anderen Ex-Musiker von Irakere gilt. „Tumbaito“ ist jedenfalls für den Latin Jazz ein Meilenstein.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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