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Klassiker-Alben aus Lateinamerika: Salsa Celtica – „El Camino“

Klassiker-Alben aus Lateinamerika: Salsa Celtica – „El Camino“

Hier werden regelmäßig Klassiker-Alben aus der lateinamerikanischen Musikszene vorgestellt. Heute: Salsa Celtica mit ihrem Album „El Camino“.

Salsa Celtica – El CaminoSalsa Celtica – „El Camino“

Discos Leon, Weatherbox (Alive) / 2006
Salsa-Schottland-Crossover

Wenn man von Salsa spricht, denken viele an kubanische Musik, doch kommt der Stil eigentlich aus den Latino-Vierteln von New York, wo damals eher Puerto Rico wohnten. Er ist eine Mischung aus verschiedenen kubanischen Musikstilen (Mambo, Latin Jazz) und Vorläufern wie dem Boogaloo sowie Rock und sogar Soul. Von Amerika aus verbreitete er sich im karibischen Raum und damit auch in Kuba, wo er anfangs als Musik des Klassenfeinds verpönt war. Inzwischen tendiert der Begriff Salsa dazu, als fast volkstümliche Bezeichnung für jedwede „kubanisch klingende Musik“ geführt zu werden, was mehr mit der Verbreitung des Tanzes Salsa zu tun hat, als dass es musikalisch stimmt. Fest steht aber, dass Salsa schon immer eine Soße aus verschiedenen Musikstilen war und es bis heute ist. Schließlich heißt „Salsa“ ja auch „Soße“ und Soßen bestehen aus verschiedenen Zutaten und man kann sie bekanntlich immer wieder verfeinern und ergänzen. Kein Wunder, wenn es da mal wagemutige Kombinationen sogar mit der keltischen Musik gibt wie bei der schottischen Truppe Salsa Celtica.

Im Salsa gibt es eine Flut an Veröffentlichungen mit beeindruckenden Leistungen insbesondere hinsichtlich instrumentaler Virtuosität und Energie, andererseits aber auch eine Dominanz standardisierter Muster. Richtig aufregend wird es meist dann, wenn der Stil sich öffnet und andere Verbindungen eingeht. Das muss nicht immer gelingen wie die Kombination Salsa und Psychedelic Rock, aber es schafft willkommene Abwechslung.

Dass ausgerechnet die schottische Folklore schon seit längerem sehr experimentierfreudig ist, mag zwar nur Insidern bekannt sein, aber sie kann sich sehen lassen. Man probierte es mit Techno, Rock oder Clubmusik – alles sehr beeindruckend. Da wundert es nicht, wenn auch Verbindungen von Scottish Folk und Salsa probiert wurden und zwar schon 1995, als sich die Band Salsa Celtica gründete. Heute ist in der Weltmusik wie auch in der Latin Music musikalischer Crossover sehr verbreitet, wobei vieles davon zur Masche geworden ist und oft ein bloßes Patchwork übrig bleibt. Salsa Celtica sind aber ein Musterbeispiel dafür, dass Crossover funktionieren kann. Salsa und Celtic Folk schmelzen ineinander, als wären sie füreinander geschaffen. Und so ist die Band keine exotische Spaßvogelaktion, nein, sie ist in der Salsaszene von New York bis Bogota, aber auch in der schottischen Folkszene anerkannt und feiert in den Salsa- und Dancefloor-Charts Top Ten-Ergebnisse. Man fragt sich gar, warum niemand bisher Dudelsack, Banjo und Timbales kombiniert hat. Aber auch Saxofon, Trompete oder Geige kommen solistisch zum Zuge. Aus einem spanischen Folkstück heraus entwickeln sich plötzliche Wendungen und Temposteigerungen. Und auch die Balladen hat die Band im Griff. Über die stilistische Kombination hinaus hat die Truppe enorme Spielfreude, überdurchschnittlich gute Musiker und Kompositionen vorzuweisen. Eine Gruppe, die besonders live ein Ereignis ist.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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