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Latin Music News #25 – Jubiläumsausgabe unserer beliebten Kolumne

Hurra! Die 25. Ausgabe ist geschafft! Und diesmal war der Input besonders groß.

(Man beachte auch den Artikel Beobachtungen zum lateinamerikanischen Musikmarkt in Deutschland zu diesem kleinen Jubiläum.)

Mariachi Reyna de Los Angeles – „Mariachi Reyna de Los Angeles“

Mariachi Reyna de Los Angeles – „Mariachi Reyna de Los Angeles“Smithsonian Folkways Recordings, galileo-mc
USA / Mariachi

Das GRAMMY-nominierte, rein weibliche Ensemble „Mariachi Reyna de Los Angeles“ ist im Bereich der traditionellen lateinamerikanischen Musik ein echtes Kleinod. Es hatte nicht nur einen enormen Einfluss als Wegbereiter und Vorbild für Frauen in der von Männern dominierten Mariachi-Musik, die Gruppe vermittelt, wie kunstvoll dieser Stil überhaupt ist. Die vielen Trompetenspielerinnen und Geigerinnen sind perfekt synchron und schaffen die kompliziertesten Läufe. Die Arrangements sind abwechslungsreich; manchmal spielt man kurz leise, dann schnell wieder laut. Einige Stücke wirken fast wie ein Medley, so unterschiedlich sind ihre Teile und Tempi. Da wird gejauchzt und gelacht, dass es eine pure Freude ist. Mariachi ist stark emotional und eine hohe Sangeskunst mit lang gehaltenen Tönen, glucksenden Überschlägen und perfektem Satzgesang. Selbst dran schuld, wer bei dieser Musik nicht in höchste Verzückung gerät. Dem Album liegt ein informatives 44-seitiges Booklet in Englisch und Spanisch bei.

Aline Frazão – „Dentro Da Chuva“

Aline Frazão – „Dentro Da Chuva“Jazzhaus Records, in-akustik
Angola, Brasilien / MPB

Die Sängerin und Gitarristin stammt von den Kapverden, lebt in Angola, spielte ihr Album aber weitgehend in Brasilien mit dortigen Musikern ein. Ein echt lusitanisch-weltbürgerliches Werk also. Ihre schwerelose Musik ist geprägt von minimalistischen Gitarrenläufen und bezaubernden Melodien zum Mitsummen. Sie verlässt sich meist ganz auf Stimme und Gitarre, nimmt auch mal eine E-Gitarre zur Hand oder singt Französisch. Ihr Song „Manifesto“ besticht durch die ruhige Begleitung mit dem Daumenklavier und an anderer Stelle spielt Brasiliens Star-Cellist Jaques Morelenbaum für sie. Einfach, leicht und doch intensiv.

Marcos Valle – „Nova Bossa Nova (20th Anniversary Edition)“

Marcos Valle – „Nova Bossa Nova (20th Anniversary Edition)“Far Out Recordings
Brasilien / MPB, Fusion, Jazz, Funk, Bossa Nova

Wenn man Marcos Valles Album „Nova Bossa Nova“ von 1998 heute anhört, merkt man ihm sein Alter kaum an. Valle hatte damals einen Sound kreiert, der für die jazzorientierte brasilianische Musik, aber auch den Jazz-Dancefloor heute Standard ist. Insbesondere für das Far Out-Label ist Marcos Valle neben Azymuth die Blaupause für die Sound-Philosophie der Firma. Es gibt eine starke Jazz-Orientierung, viele Instrumentals, Scat-Improvisationen, aber auch Einflüsse von Disco, Latin Funk mit Timbales oder Pop. Valle setzte hier neben seinem Fender Rhodes Piano programmierte Rhythmen ein sowie Sängerinnen und viel Perkussion. Dass das Album im Titel einen neuen Bossa Nova verkündete, mag irritieren. Valle mischte eher verschiedene Stile mit brasilianischer Musik und elektrifizierte sie im Einsatz der Instrumente. Es ging darum, sich mehr stilistische Freiheiten zu erlauben, das relaxte Feeling vom Bossa Nova aber zu erhalten. Dies schien ihm in den 90ern nicht mehr möglich zu sein, weshalb er über zehn Jahre keine Veröffentlichung hatte. Dann aber wurde sein „Crickets Sing for Ana Maria“ von Londoner Diskotheken ausgehend zum Clubhit in Europa und Valle innerhalb der Acid Jazz-Bewegung wiederentdeckt. Far Out machte daraufhin dieses Album mit ihm, welches durchaus Einfluss auf den Sound späterer Stars der dritten Generation wie Bebel Gilberto, Sabrina Malheiros oder Da Lata hatte. Valle selbst zählt man zur zweiten Generation der Bossa Nova, deren Aufkommen 1998 allerdings schon lange vorbei war. Sein Album dennoch „Nova Bossa Nova“ zu nennen, hat aber wohl damit zu tun, dass die Klischees über brasilianische Musik weltweit zum damaligen Zeitpunkt nicht ausgestorben waren. Brasilien wurde immer noch mit Bossa Nova, Samba und 1998 vielleicht etwas Axé Music identifiziert und Valle wollte zeigen, dass sich das Rad in Brasilien inzwischen weitergedreht hatte. Insofern ist dies ein durchaus wegweisendes Album gewesen.

Bixiga 70 – „Quebra Cabeça“

Bixiga 70 – „Quebra Cabeça“Glitterbeat Records, Indigo
Brasilien / World Jazz

Das Cover dieses Albums wirkt wie ein falsch zusammengesetztes Puzzle einer afrikanischen Maske, allerdings nicht ohne Grund. Die brasilianische Jazzgruppe Bixiga 70 bemüht sich bewusst um eine Aufarbeitung der Verbindung Brasiliens mit Afrika aus den Zeiten der Sklaverei. Sie stammt zudem aus Bixiga, einem Stadtviertel São Paulos, in dem besonders viele Migranten wohnen. Dementsprechend hört man vor allem afrikanische Rhythmik in ihren Stücken und auch die Bläsersätze orientieren sich am Kollektivklang afrikanischer Gruppen der 80er Jahre, nur mit dem Unterschied, dass nach eigenen Angaben der Bläserpart quasi den Sänger ersetzt. Das führt zu einem etwas ungewohnten Eindruck bezüglich der Melodik dieser zur neusten Generation zählenden brasilianischen Jazzbands. Im Grunde klingen die Stücke wie Titelmelodien von 70er-Jahre-Fernsehserien, aber mit afrikanischen Grooves. Eigentlich keine schlechte Idee, jedoch die Melodien wirken etwas hausbacken, wiederholen sich zu oft, weil auch kaum Soli vorhanden sind, weshalb dramatische Höhepunkte fehlen. Die verwendeten Grooves packen einen zudem meist nicht wirklich. Die Truppe zeigt ihr Talent eher im Arrangieren. Oft wird die Melodie mit wechselndem Instrumentarium wiederholt, aber ihr altmodisches Synthiegejaule oder ihre Elektronik-Sounds wirken dazu erfrischend. Bixiga 70 haben zwar etwas Eigenständiges entwickelt, was aber noch ausbaufähig ist.

Tim Maia – „Tim Maia“

Tim Maia – „Tim Maia“ Mr. Bongo
Brasilien / Disco, Soul, MPB

Nach langer Zeit hört man mal wieder was vom Mr. Bongo-Label, dem Spezialisten für Re-Issues des Brasiliens vergangener Jahrzehnte. In den Siebzigern war für die Verbreitung von Disco, Soul und Funk in Brasilien insbesondere der Sänger Tim Maia ein wichtiger Name. Auf diesem Album dominieren Disco-Sounds mit einem Schuss brasilianischer Melancholie. Aber erst gegen Ende wird das Album richtig gut.

Cesar Mariano & CIA – „São Paulo Brasil“

Cesar Mariano & CIA – „São Paulo Brasil“Mr. Bongo
Brasilien / Jazzrock

Kaum bekannt außerhalb Brasilien dürfte der Jazzpianist Cesar Camargo Mariano sein, Ex-Ehemann von Elis Regina. Auf „São Paulo Brasil“ wagte er sich 1977 in Jazzrock-Gefilde und erinnert dabei an die Musik der norwegischen Fusionband Ruphus aus der gleichen Zeit, wenn auch mit mehr brasilianischen Sounds. Viele Tempi-, Melodie- und Rhythmuswechsel machen das Album voller sphärischer E-Piano- und Synthesizerklängen recht ambitioniert. Es sind regelrechte Klanglandschaften, die Mariano hier erschuf, die er ähnlich wie Airto mit Jazzrockpassagen kombinierte. Die Musik wirkt ob ihrer vielen Ideen mosaikartig und kann zu den interessantesten Werken des brasilianischen Jazz der Siebziger gezählt werden.

Guinga Invites Gabriele Mirabassi – „Passos E Assovio“

Guinga Invites Gabriele Mirabassi – „Passos E Assovio“Acoustic Music, Rough Trade
Brasilien / Akustische Gitarrenmusik

Der brasilianische akustische Gitarrist Guinga bedient immer eine betont ruhige und bedächtige Stimmung. Hier spielt er mit einem passenden Partner, dem italienischen Klarinettisten Gabriele Mirabassi. Die Musik der beiden schlängelt sich irgendwo zwischen Klassik, Choro und etwas Jazz hindurch. Es sind vor allem langsame, sinnliche, schmeichlerische, melancholisch hingehauchte Stücke mit raffinierten Harmonien, die hier die Feinheiten ausmachen. Deren Zauber entfaltet sich aber erst nach und nach. Mehrfach hören.

Amaro Freitas – „Rasif“

Amaro Freitas – „Rasif“Far Out Recordings
Brasilien / Jazz

Der aus dem nord-östlichen Recife stammende, brasilianische Pianist Amaro Freitas verbindet traditionelle Rhythmen und Stile dieser Ecke auf eine sehr freie Art mit Jazz. Das wirkt vibrierend und ungestüm, seine linke Hand holt mit grollendem Bass wirklich die Untiefen des Klaviers hervor. Am ehesten ist Freitas im Konzept noch mit Egberto Gismonti vergleichbar, spieltechnisch eher mit McCoy Tyner. Ein bemerkenswertes Talent.

Gecko Turner – „Soniquete: The Sensational Sound Of Gecko Turner“

Gecko Turner – „Soniquete: The Sensational Sound Of Gecko Turner“Lovemonk, Groove Attack
Spanien / Afro-Latin-Funk-Crossover

Dieser „Sensational Sound“ des Gecko Turner ist insofern „sensational“, wie er absolut zwischen den Stilen hin und her spielt und damit einen sehr eigenständigen Ausdruck entwickelt. Der Spanier verwebt neben Latin und Afro Beat, vor allem Funk mit Jazz-Improvisationen zu einem Rhythmusteppich, der stark repetitiv ist, aber derart gut groovt, dass er eine hypnotische Wirkung ausstrahlt. Irgendwo schillert das zwischen Club- und Weltmusik, im Unterschied zur Electronica-Szene ist hier aber wesentlich mehr akustischer Klang und handgemachtes Spiel dabei. Zwischen den Stilen heißt zwar manchmal auch zwischen den Stühlen zu sitzen, aber modische Ausrichtungen waren Gecko Turner immer egal. Er macht sein Ding. Typisch dabei auch seine Nuschelstimme, manchmal in einer Fantasiesprache singend, an anderer Stelle kiekst er herum wie einst Prince. Herausragende Soli gibt es nicht, obwohl es sich hier eher um Instrumentalmusik handelt. Viel zu hören sind brasilianische Perkussion vom brasilianischen Trommler Rubem Dantas wie auch der kubanische Pianist Javier Masso ‚Caramelo‘. Das Album ist bis auf einen neuen Titel eine Werkschau, in der die Latin-Elemente zwar in Konkurrenz zu anderen Einflüssen stehen, aber dennoch eine ständige Basis des Gecko-Sounds ausmachen. Und dieser Sound lässt einen schnell nicht mehr los.

Groundation – „The Next Generation“

 Groundation – „The Next Generation“Baco Records, Broken Silence
USA / Jazz und Reggae

In unserem Jahresrückblick 2015 wurde die amerikanische Reggae-Band Groundation mit ihrem Album „A Miracle“ als eine der besten Alben des Jahres gefeiert. Inzwischen hat Lead-Sänger und Gitarrist Harrison Stafford die Band umgestellt, was ihn dazu veranlasst hat, das neue Werk „The Next Generation“ zu nennen. Das Konzept ist das Gleiche geblieben, vor allem, auf der Basis von Roots Reggae jazzige Arrangements und Soli freien Raum zu geben. Damit sticht Groundation nach wie vor um Meilen aus dem Dschungel der Reggae-Veröffentlichungen heraus. Als Roots Reggae-Band kann man sie einerseits zu den führenden überhaupt zählen, aber eigentlich ist Groundation im Reggae so etwas wie es Blood, Sweat & Tears vor über 50 Jahren mal für den Rockbereich war: Erstklassige Jazzmusiker toben sich hier mit komplexen Arrangements im Reggae aus. So kann man den Song „Vanity“ mit dem Einsatz von zwölf Bläsern durchaus als Bigband-Reggae bezeichnen. Jazz-Elemente gab es im Reggae schon immer, man mag da nur an Gruppen wie Jazz Jamaica denken. Bei Groundation wird aber bei den Improvisationen über das Übliche an Solo weit hinausgegangen, zudem strikte Reggae-Rhythmen auch nicht Pflicht sind und oft recht vertrackte Beats gespielt werden. Kein Wunder, Harrison Stafford hat einen Abschluss in Jazz Performance und lehrte einst die Geschichte des Reggae an einer kalifornischen Universität, Organist Will Blades wird in den Downbeat-Kritiker-Polls für sein Spiel auf der Hammond B3-Orgel seit Jahren zum “Rising Star” ernannt und auch der Saxofonist Roger Cox hat eine erfahrene Jazz-Biografie. So richtig beseelte Songs wie das „Defender Of The Beauty“ vom Album „A Miracle“ sind zwar nicht dabei, dennoch ist dies das mit Abstand überzeugendste Reggae-Album des bisherigen Jahres, vor allem auch wegen der gleichbleibenden Qualität der Stücke.

Winston McAnuff & Fixi – „Big Brothers“

Winston McAnuff & Fixi – „Big Brothers“Chapter Two Records, Wagram, Indigo
Jamaika, Frankreich / Karibik-Pop

Vom Cover her gesehen müsste es sich hier ebenfalls um Reggae handeln: Da steht ein älterer, weißbärtiger Farbiger mit Dreadlocks neben einem weißen Hipster. Doch beim Anhören wird klar, die beiden sind anders gestrickt. Der rauhstimmige Sänger McAnuff kommt zwar aus Jamaika, ist aber mehr in Frankreich erfolgreich, wo er auf Keyboarder Fixi stieß. Beide verwenden zwar karibische Einflüsse, insbesondere kubanische, aber das Ganze wirkt doch eher wie ein keyboardlastiges Soul-Pop-Album. Der Titel „One Note“ erinnert zudem etwas an Kid Creole, womit die Grundrichtung schon grob beschrieben ist. Ansonsten dominieren eher sphärische Sounds als Rhythmen. Aus Jamaika kann’s eben auch mal anders klingen.

Jenny & The Mexicats – „Ten Spins Around The Sun“

Jenny & The Mexicats – „Ten Spins Around The Sun“GMO – The Label, Rough Trade, Zebralution
Mexiko / Pop

Und muss man sich mexikanisch anhören, weil man aus Mexiko kommt? Die wenigsten deutschen Bands klingen ja auch nach deutscher Folklore. Jenny & The Mexicats stammen aus Mexiko und hatten dort schon einige Hits und internationale Präsenz in ganz Amerika sowie Spanien. Die Band hat mit Jenny eine britische Sängerin und Trompeterin, die mal auf Englisch, mal auf Spanisch singt, aber gesangstechnisch eher dem R&B nahesteht. Ihr Melisma-Gesang (das aus der Klassik stammende, inzwischen typischerweise im Neo-Soul extensiv gepflegte „Herumgesinge“ um einen Ton und Vokal eines Textes) ist in mexikanischer Musik erstmal recht gewöhnungsbedürftig, wenngleich es wohl half, den Absatz in den USA zu steigern. Die Truppe hat zwar eher nordamerikanische als mexikanische Einflüsse, doch ist damit ihr Konzept nicht ausreichend beschrieben. Stilistisch probiert man vieles von Rock im Stil der 80er bis zum poppigem Reggae oder gar einem Walzer. Trotzdem sie eine dieser typischen Gute-Laune-Bands zu sein scheinen, die auf Mitsing-Refrains setzen, die auf Kindergeburtstagen taugen („La Diabla“), gelingen ihnen am besten noch die Balladen wie „Something, Something“, das mittendrin in eine Art Flamencopop umschlägt. Aber auch der unvermeidliche Cumbia und eine Swing-Nummer sind dabei. Die Komplexität des Albums erklärt sich mit dadurch, dass es aus Anlass des 10. Band-Geburtstags eine Kompilation der bisherigen Werke ist, inklusive ihrer Hits „Verde Más Allá“ und „Me Voy A Ir“. Man könnte zu all dem Mestizo-Pop sagen, aber ob solche Begriffskreationen weiterhelfen, sei mal dahingestellt. Einfach mal reinhören, die Melodien bleiben jedenfalls gut im Ohr.

Don The Tiger – „Matanzas“

 Don The Tiger – „Matanzas“Crammed Discs, Indigo (CD), PIAS (digital)
Latin-Industrial Music

Und ein weiteres Mal ist nun ein Album dabei, das die allgemeinen Vorstellungen von lateinamerikanischer Musik sprengt und dennoch damit zu tun hat. Der in Barcelona lebende Experimentalmusiker Adrián de Alfonso a. k. a. Don The Tiger wählte mit „Matanzas“ den Namen der kubanischen Geburtsstadt der Rumba als Albumtitel. Es gibt zwar kubanische Musik auf diesem Album, sie ist aber derart mit zahlreichen experimentellen Studiotechniken in ein Tauchbad gesteckt worden, dass sie wie aus dem Totenreich kommend wirkt. Schon zu Beginn hört man eine uhrwerkartige Düsterballade. Obskure Geräusche, entfernte Orgeln, Teufelsstimmen, röchelnder, heiserer Sprech-Gesang; Latin Musik und auch spanische Folklore als Grundlage von Post-Industrial-Musik. Das Crammed Discs-Label hat ja ein Herz für derart ungewöhnliche Klangforscher.

Anthony Joseph – „People Of The Sun“

Anthony Joseph – „People Of The Sun“Heavenly Sweetness, Broken Silence
Trinidad & Tobago / Crossover-Funk

Und auch die Musik aus Trinidad ist oft mit Klischees verbunden. Meist weiß man gerade mal, dass dort Steel Drums gespielt werden und vielleicht noch der Rapso Erfolge feiert. Wie man daraus mehr machen kann, zeigt ausgerechnet der einheimische Dichter Anthony Joseph. Er vereint auf seinem Album stilistisch und generationsmäßig recht unterschiedliche Musiker und präsentiert einen Mix aus Spoken Word, Funk, Jazz, afrikanischer Rhythmik, Streichern, Orisha-Gesängen und der traditionellen Steel Drum-Musik. Ebenso rockige Arrangements und eingeflochtene Raps von Brother Resistance tauchen auf. Der Vortrag der Gedichte erinnert gar etwas an den Sprechgesang mancher Alben von Isaac Hayes. Das ist alles sehr tanzbar und hoch energetisch wie überraschend, denn derartige Klänge hat man aus Trinidad noch nicht gehört. Leider stellt sich nach einiger Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, denn die Stücke ähneln sich zu sehr. Die Musik ist oft zugetextet und die Bläser dominieren zu stark. Man hätte mehr Spielraum für Soli einbauen können und ausgerechnet die Steel Drums gehen in der Klangdichte meist unter. Erst zum Schluss kommt mit dem Gesang von Josephs Tochter Meena etwas Abwechslung rein. Insgesamt eine engagierte Hommage an Trinidad & Tobago mit innovativer, gut groovender Musik, die etwas abwechslungsreicher hätte arrangiert werden können.

Afro-Cuban All Stars – „A Toda Cuba Le Gusta“

Afro-Cuban All Stars – „A Toda Cuba Le Gusta“World Circuit
Kuba / Son

Zu kubanischer Musik fällt den meisten Leuten heute die legendäre Formation Buena Vista Social Club ein. Kenner wissen, dass die Afro-Cuban All Stars mit den Buena Vistas in einem Atemzug genannt werden müssen, denn zwischen beiden Bands bestehen besetzungsmäßig nur wenig Unterschiede und die Aufnahmen von „A Toda Cuba Le Gusta“ und „Buena Vista Social Club“ liegen nur einen Tag auseinander. Bandleader Juan de Marcos González wollte hier legendäre Sänger und Musiker der 1940er und 1950er Jahre mit einer neuen Generation ihrer Verehrer zusammenbringen. So ist hier Ibrahim Ferrer zu hören, ein Ruben Gonzalez am Klavier, dann Ry Cooder bei einem Stück oder der erst 13jährige Julienne Oviedo an den Timbales. Auch der legendäre Flötist Richard Egües ist hervorzuheben. Die Musik ist im Grunde sogar spritziger als die der Buena Vistas. Alle singen kräftig mit und legen sich ins Zeug. Das Album war für die kubanische „Old School-Szene“ ein Ereignis. Hier wurde die Grundlage gelegt für das, was inzwischen in der allgemeinen Öffentlichkeit als typische kubanische Musik angesehen wird. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass diese 1996 eingespielte Musik inzwischen von vielen kubanischen Musikern als überrepräsentiert bis altmodisch betrachtet wird. Zwar achtet man die Meister, aber deren Wirkung für das Image der kubanischen Musik ist in etwa so, als würde man außerhalb Deutschlands die Musik Max Raabes als repräsentativ für deutsche Musik halten. „A Toda Cuba Le Gusta“ ist wie auch andere Alben der „Buena Vista-Zeit“ nun als 180g-Vinyl-LP wiederveröffentlicht worden. Man könnte sich fragen, ob diese Vinyl-Veröffentlichungen sich überhaupt lohnen, aber immerhin hat der Vinyl-Markt wieder derart angezogen, dass es in Großbritannien seit 2012 sogar eine „UK Official Record Store Chart“ gibt.

Omar Sosa & Yilian Canizares – „Aguas“

 Omar Sosa & Yilian Canizares – „Aguas“MDC, galileo-mc
Kuba / Jazz

Der kubanische Pianist Omar Sosa lebt in Barcelona und die ebenfalls kubanische Geigerin und Sängerin Yilian Canizares im schweizerischen Fribourg. Auf „Aguas“ reflektieren sie – mit Unterstützung des Percussionisten Inor Sotolongo – aus den Perspektiven zweier unterschiedlicher Generationen über das Leben im Exil. Der Begriff Wasser sowie spirituelle Ebenen der Santaria-Religion stehen dabei im Zentrum des Albums. Canizares meint, da beide seit vielen Jahren in Europa leben, haben sich ihr Blick auf ihre eigene Musik und die Art wie sie musizieren sehr verändert. Musikalisch kann man die Hinwendung zur kubanischen Spiritualität durch die fast schon sakral wirkenden Balladen nachempfinden. Die europäischen Einflüsse auf ihre kubanische Musik äußern sich am ehesten im Einsatz von Elektronik und Samples und indem hier eher Klang als Rhythmus eine Rolle spielt. Im Ergebnis ist die Musik den düster-melancholischen Sounds eines David Sylvian oder der skandinavischen ECM-Jazzmusiker der 80er Jahre näher als kubanischer Musik. Das Ganze macht einen stark unterkühlten Eindruck mit Pianissimi und hingehauchten Gesang. Ambitioniert, aber auch sehr akademisch.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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