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  • Latin Music News #20 – Neue lateinamerikanische Musik zum Winteranfang 2017
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Latin Music News #20 – Neue lateinamerikanische Musik zum Winteranfang 2017

Nach mehreren Monaten ohne großartige Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musik-Szene scheint das Sommerloch endgültig überwunden zu sein. Hier die interessantesten neuen Latin-Music-Alben:

Eliana Cuevas – „Golpes Y Flores“

Eliana Cuevas – „Golpes Y Flores“Alma, in-akustik
Venezuela, Kanada / Latin Jazz & Roots

Die in Kanada lebende venezolanische Sängerin Eliana Cuevas kommt eher vom Jazz, hat sich aber ihrer Wurzeln besonnen. „Golpes Y Flores“ – Schläge und Blumen – der Titel trifft eigentlich genau die Musik: zu aufgeregten afro-venezolanischen Rhythmen mit zusammengeschlagenen Hölzern und Trommeln singt sie liebliche Melodien mit fast sakralem Gesang und viel gedoppelten Stimmen. Das klingt zwar zunächst etwas unpassend, wird aber verbunden durch eine jazzige Rhythmusgruppe. Anfangs gewöhnungsbedürftig, doch wenn Cuevas in den letzten vier Stücken beschwingter, sogar tanzbarer wird und Streicher und akustische Gitarre einsetzt, wirkt es gleichzeitig auch konventioneller. Insofern ist ihr Versuch der Verbindung von Tradition, Jazz und Pop durchaus gelungen.

Hilario Dúran – „Contumbao“

Hilario Dúran – „Contumbao“Alma, in-akustik
Kuba / Latin Jazz

Es ist schon unglaublich, wie viele hochkarätige Jazzpianisten Kuba vorzuweisen hat (wobei ihnen die Sidemen in nichts nachstehen). Einer dieser Pianisten ist Hilario Dúran, der – wenngleich in Kanada lebend – musikalisch durchaus Chucho Valdés ähnelt. Bei genauerem Hinhören wirkt Durán aber melodiöser und er variiert die Themen durch verschiedene Tempi, während Valdés mehr zu stilistischen Übergriffen und spontanen Einschüben neigt. Beide treffen in einem Stück auch zusammen, was erstmal einen dynamischen Overkill befürchten lässt, aber die beiden merken durchaus, worauf es ankommt: Das Spiel miteinander.

In der Begleitband, die ohne Bläser auskommt und dafür einen E-Gitarristen einsetzt, ist der legendäre Drummer Horacio ‚El Negro‘ Hernández, dem zuzuhören immer ein Genuss ist. Temporeich, virtuos, rhythmisch die Schweißperlen auf die Stirn treibend sind die meisten Stücke, aber Durán zeigt auch, dass er beim Improvisieren die Melodie heraushören lassen will, was kein Nachteil ist. Und er lässt seinen Kollegen viel Spielraum, wechselt zwischen jazzigen und eher traditionellen Stücken, setzt auch mal eine Sängerin mit sphärischem Gesang dazu. Sein Klavierspiel ist wie Wasser: manchmal glitzert es in der Sonne, dann wirkt es wieder wie trommelnder Regen. Aufgenommen wurde das Album in Havannas geschichtsträchtigem EGREM-Studio, in dem Dúran in den 80er Jahren Hunderte von Sessions als Pianist, Arrangeur, Komponist und Musikdirektor mit anderen Künstlern und seiner kubanischen Band Perspectiva aufgenommen hatte.

Blanco Y Negro – „Timbero“

Blanco Y Negro – „Timbero“Stunt Records, Sundance Music
Kuba, Skandinavien / Latin Jazz

Und gleich noch ein beachtenswerter kubanischer Pianist: Abel Marcel und seine Band Blanco Y Negro, deren Mitglieder aus Kuba, Schweden und Dänemark kommen. Gegensätze sind ja bekanntlich spannend und darauf ist auch das Konzept der Band aufgebaut. Ähnlich wie der Widerstreit von Schwarz und Weiß gibt es hier Kontraste zwischen kubanischer Ekstase und elegischem skandinavischem Jazz, manchmal im fließenden Übergang oder sich gegenseitig unterwandernd. Marcel spielt sehr perkussiv und das klingt in der Unterstützung durch Drummer und Perkussionist nach Hochvoltintensität. Die Improvisationen sind intelligent; immer wird noch und dann noch eine Idee draufgepackt. Insbesondere ist die Schlagzeugarbeit bei den Balladen exzellent, sehr differenziert und ideenreich. Sie stammt aber nicht von einem Kubaner, sondern vom Dänen Jonas Johansen. Ab der Mitte des Albums wird die Intensität etwas runtergekocht, gleichzeitig wird es jazziger. Insgesamt ist von euphorischem Rhythmustaumel bis melancholischer Herbststimmung alles Mögliche drin, was das Album abwechslungsreich macht.

Mad Professor Meets Jah9 – „In The Midst Of The Storm“

Mad Professor Meets Jah9 – „In The Midst Of The Storm“VP Records, Steam Chalice
England / Dub

Wer unter Dub versteht, sich auf einer Klangwolke endlos treiben zu lassen, ist hier richtig. Sprachschnipsel verlieren sich in einem langen Tunnel aus Hall. Manchmal gerät die Musik zu einem eher ruhigen als tanzbaren Soundtrack für Geisterfilme. Fast avantgardistisch werden gerade die Schlagzeugklänge in Geräuschmomente zerstückelt. Man könnte es minimalistischer Ghost Dub nennen, auf jeden Fall ein Lehrbeispiel dafür, was Dub bedeutet.

Der Mad Professor ist einer der wenigen Dub-Produzenten, die höchste Anerkennung auch außerhalb des Genres genießen. Seine Remixarbeiten u. a. für Massive Attack, Sade, Depeche Mode, KLF, Beastie Boys, The Orb oder Grace Jones zeigen, wie gefragt er da ist, wenngleich er seit 1979 über 130 Alben mit jamaikanischen Veteranen wie Lee Perry, U-Roy, The Congos oder Horace Andy veröffentlicht hat. An ihm geht also kein Weg vorbei. „In The Midst Of The Storm“ ist die Dub-Version zum letztjährigen Erfolgsalbum „9“ der Sängerin Jah9. Längere Zeit war Mad Professor bekannt dafür, lustige Geräusche wie Pferdewiehern usw. in seine Stücke einzubauen und die Effekte schön fett reinzudrehen. Die von ihm hier produzierte jamaikanische Sängerin Janine Cunningham aka Jah9 ist u. a. Yoga-Lehrerin, weshalb die Musik sich hier wohl eher dem dahin schwebenden Groove hingibt. Typisch sind Pitch- und Tempoanhebungen, versetzte Echos, alles aber sparsamer als sonst eingesetzt und daher nicht ganz so aufregend wie man den Professor kennt, zumal die Sängerin insgesamt zu viel weggemischt wurde.

Brain Damage meets Harrison Stafford – „Liberation Time“

Brain Damage meets Harrison Stafford – „Liberation Time“Jarring Effects, Broken Silence
USA, Frankreich / Roots Reggae, Dub

Ganz anders klingt da der französische Dubber Brain Damage. Er hat sich mit Harrison Stafford zusammengetan, dem Leadsänger der im letzten Jahr bei uns abgefeierten Roots-Reggae-Band Groundation. Das ergibt durchaus einen Synergieeffekt. Der normalerweise düstere Sound des Franzosen bekommt hier eine melodiöse Wende und der Roots Reggae ein paar Stromstöße. Es blubbert und hallt vor sich hin, aber es wird nichts zerstückelt, der rhythmische Fluss bleibt bestehen. Allerdings hätte noch mehr drin sein können, wenn die Kompositionen etwas komplexer als aus zwei Akkorden bestehend gewesen wären und auch ein paar Farbtupfer wie Bläsersatz und Backgroundchor hätten den Sound fülliger und wohliger gemacht.

Mônica Vasconcelos – „The São Paulo Tapes“

Mônica Vasconcelos – „The São Paulo Tapes“Andy Childs, galileo-mc
Brasilien / politische Lieder, Jazz, MPB

Politische Lieder müssen sich nicht unbedingt nach stampfenden Marschrhythmen und Venceremos-Chören anhören. Die Lieder, die die brasilianische Sängerin Mônica Vasconcelos jetzt veröffentlicht hat, klingen jazzig arrangiert und vom Bossa Nova oder Samba geprägt, erfüllen also keine Klischees über pathetische Politsongs, nach denen heute wohl eh niemand mehr fragt. Es sind Lieder, die in ihrer Entstehungszeit – der brasilianischen Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 – musikalisch im Kanon der Künstler nicht unbedingt als typische Protestsongs hervortraten, es sind aber Lieder, die erfahrenes Leid, Unterdrückung und Trauer über diese Zeit ausdrücken. Man darf bei den oft mit Metaphern arbeitenden Texten nicht die strenge Zensur der damaligen Zeit vergessen. Es stellt sich aber die Frage, warum sie gerade jetzt von Vasconcelos aufgegriffen wurden. Sozialkritische Kräfte werden derzeit erneut in Brasilien bekämpft, der Staat erweist sich mehr als korrupt denn als handlungsfähig, die Gesellschaft scheint ins Bodenlose abzudriften. Eine Situation, in der schon manchmal Militärs die Macht an sich rissen. Je lauter die Propaganda der Privilegierten ist, desto eher braucht es scheinbar dabei eine Erinnerung an ein dunkles Kapitel brasilianischer Geschichte.

Mônica Vasconcelos wurde in São Paolo geboren und lebt seit über 10 Jahren in London. Ihr Album produzierte die britische Rock-Legende Robert Wyatt, der Mitbegründer der Avantrockband Soft Machine. Musikalisch erinnert sie an Sängerinnen wie Joyce Moreno oder Mônica Salmaso. Sie hat eine angenehme Stimme, die nie zu Übertreibungen neigt, meist sind Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug zu hören. Sie schafft es, sich an ein hochenergetisches Stück wie „O Ronco Da Cuica“ von João Bosco/ Aldir Blanc zu wagen, es aber ihrer eigenen Atmosphäre anzupassen. Die quiekende Reibetrommel Cuica wird hier im Text zum Aufschrei voller Hunger und Zorn. Andere Lieder stammen von Chico Buarque, Ivan Lins, Taiguara und Caetano Veloso. Das Booklet kommentiert die Lieder.

Phil Manzanera – „Corroncho 2“

Phil Manzanera – „Corroncho 2“Expression Records, galileo-mc
Kolumbien, England / Latin, Pop, Folk

Manchem könnte der Name Phil Manzanera noch als Gitarrist von Roxy Music in Erinnerung sein. Zusammen mit dem Produzenten und Bildhauer Lucho Brieva hat er nun mit „Corroncho 2“ ein spanischsprachiges Konzeptalbum veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte zweier kolumbianischer Compadres, die auf dem Weg ins „Gelobte Land“ – gemeint ist New York – völlig die Orientierung verlieren. Anstatt in Cartagena an der karibischen Küste nach rechts abzubiegen, um über Panama und Mittelamerika in die USA zu gelangen, müssen sie um ganz Südamerika fahren. Dabei lernen sie die verschiedenen Länder, Menschen und Kulturen Südamerikas auf teils humorige Weise kennen. Endlich in Queens angekommen erleben sie aber auch die Vorurteile gegenüber Latinos.

Wenn man nun eine Reise durch die lateinamerikanische Musikkultur erwartet, wird man jedoch zum größten Teil enttäuscht. Zu mainstreamig ist das Werk geraten, rhythmisch vibrierender Latin Pop mit viel Rhythmusmaschinen und Synthie-Klängen, dazu ein paar hörspielartige Teile. Wenn die elektronischen Zutaten und der Wall of Sound gegen Ende mal reduziert werden, atmet man regelrecht auf und merkt, dass hier durchaus gelungene Melodien vorhanden sind wie in „Aguita Fresca“. Manzanera wäre gut beraten gewesen, das Verhältnis von Latin zu Pop eher umzudrehen.

Che Sudaka – „Almas Rebeldes“

Che Sudaka – „Almas Rebeldes“Cavernicola Records, galileo-mc
Argentinien, Kolumbien / Cumbia-Ska-Punk

Seit 15 Jahren hat sich die argentinisch-kolumbianische Band Che Sudaka den Ruf erarbeitet, die führende Cumbia-Ska-Punk-Truppe zu sein. Zum Jubiläum haben sie zehn ihrer bekanntesten Songs neu eingespielt und mit neuen Stücken kombiniert. Mit dabei sind illustre Gäste wie z. B. Manu Chao, Amparo Sánchez, Dr. Ring Ding oder El Gran Silencio. Das Motto der Band „Bailar pensando!“ („Tanzen und denken“) sagt eigentlich schon viel über die Truppe. Che Sudaka kommt aber im Prinzip weniger punkig-aggressiv daher als dass sie im Grunde akkordeonlastigen Cumbia-Pop mit Rap mixt. Der Partyspaß steht im Mittelpunkt, dabei appellieren die Texte aber stets ans kritische Denken. Dies und ihre energetischen Rhythmen sowie ihre Bereitschaft, auch Soundsystems und elektronische Effekte einzusetzen, hat dazu geführt, dass man ihnen eine Punk-Attitüde nachsagt, was aber echte Punker wahrscheinlich nur müde lächeln lässt. Eine typische Festivalgruppe also, deren recht einfaches musikalisches Konzept sich erst gegen Ende des Albums etwas variiert.

Otros Aires – „Presents Balkan Airs“

Otros Aires – „Presents Balkan Airs“galileo-mc
Argentinien, Bulgarien / Tango-Balkan

Um neue Ideen ist die argentinische Electro-Tango-Band Otros Aires nie verlegen – diesmal ganz ohne Electro, denn vielleicht ist dieser Hype ja auch vorüber. Otros-Aires-Mastermind Miguel Di Genova tat sich schon vor vier Jahren mit dem bulgarischen Produzenten Boyko Petkov zusammen und man kreierte virtuell über den Ozean hinweg – ohne je wirklich zusammenzuspielen – einen neuen Hybrid aus Tango und Balkanmusik. Der Großteil der Songs wurde ursprünglich von Miguel Di Genova für „Otros Aires“ geschrieben. Boyko komponierte zwei Lieder, die auf Gypsy-Traditionals basieren, zwei weitere Songs stammen von argentinischen Komponisten. Klarinette, Saxophon, Akkordeon, Schlagzeug und teilweise die Gesangsparts werden von bulgarischen Musikern geliefert, die Tasteninstrumente und der meiste Gesang von argentinischer Seite.

Die größte Herausforderung an dem Album ist, die perfekte Balance zu finden. Anfangs spürt man die Gefahr, dass der vibrierende, schnelle Balkan-Sound den etwas gemächlicheren Tango überstrahlt, zudem das Schlagzeug sich außerdem eher Richtung Rock oder Pop bewegt. Die richtige Mischung gelingt eigentlich erst im fünften Stück „Los Vino Movilo“. Hier ist der Rhythmus eindeutig Tango, das harmoniert mit dem Akkordeon, dann wirkt die Klarinette als Klangfarbe und nicht nur als Antreiber. Auch „Romano Chavo“, ein schmeichlerischer Eindreher, überzeugt, aber insgesamt sollte man sich vielleicht weniger die Frage stellen, wie viel Tango Otros Aires hier noch spielen. Die Musik lässt sich sehr gut genießen, ohne dass man die Stilanteile auf die Waage legen muss. Außerdem hat die Produktion den Vorteil, dass die Balkanmusik hier nicht zum Partysound wird, sondern weniger pompös als der pulsierende Balkanpop daherkommt. Insofern steht im Mittelpunkt die Melodik und nicht nur die Rhythmik. Bei den drei Bonus-Abmischungen vorheriger Stücke sind dann mehr Instrumentalsoli zu hören. Insgesamt für die Tango-Szene eine Überraschung und ein Schritt, der in die richtige Richtung geht.

Amparanoia – „El Coro De Mi Gente“Amparanoia – „El Coro De Mi Gente“

Calaverita Records, galileo-mc
Spanien / Mestizo

Vor 20 Jahren gründete die Sängerin Amparo Sanchez die spanische Band Amparanoia, die einerseits wegweisend für den Begriff der Mestizo-Musik war, von heutiger Sicht her jedoch wesentlich vielfältigere Musik als die meisten, heute bekannten Mestizo-Gruppen bot. Die Gruppe aus Barcelona hatte eine ausgesprochene Sehnsucht nach lateinamerikanischer Musik und nahm in ihr musikalisches Kaleidoskop Reggae, Cumbia, kubanische und mexikanische Musik auf. Sie bestand allerdings nur bis 2008, jedoch kam es jetzt zu einer Wiedervereinigung mit einer Tournee in Spanien und einer Best-Of-CD, die mit dem Titelsong auch eine Neueinspielung enthält.

Mehrere Dinge fallen dabei auf. Die Band legte gegenüber der üblichen Ska-Punk-Reggae-Rap-Mixtur der Mestizo-Szene deutlich mehr Wert auf klare Melodien und poppige Arrangements. Das führte zwar dazu, dass sie mit ihrem dominanten, fröhlich-energetischen Satzgesang manchmal fast nach den immer gut gelaunten Les Humphrey Singers klang, doch muss man Amparanoia zugestehen, dies mit ihrer Offenheit mehr als wett gemacht zu haben. Die Gruppe suchte ständig nach neuen stilistischen Ideen. So hört man sogar Swing-Nummern oder New-Orleans-Brass-Band-Music, Dub, orientalische Klänge oder temporeiche Polkas. Das Spezielle des Amparanoia-Sounds ist, dass die stilistischen Einflüsse klug eingebunden und nicht bloß kopiert werden. In „Iluminando“ gibt es Country-Klänge, die aber nur von den Gitarren, aber nicht vom Rhythmus her eingebracht werden, so dass die Identität der Band immer erkennbar bleibt.

Bei den ausgewählten Songs wird auch der enorme Umfang an Gästen bei den Produktionen deutlich. Vom unverzichtbaren Manu Chao bis Calexico gibt es eigentlich nur Stücke mit Gästen, die auch ein Garant für die Vielfalt der Band waren. Für eine spanische bzw. katalanische Band gibt es verhältnismäßig wenig spanische verwurzelte Musik auf dieser Kompilation. Dennoch zählt das Flamenco-Pop-Stück „Mar Esterecho“ (mit Sängerin Chambao) zu den stärksten Nummern. Da wird durch den Duett-Gesang mit Lead-Sängerin Amparo Sanchez und der Art des Schlagzeugspiels eine anspruchsvolle Musik draus. Bleibt zu hoffen, dass die Reunion von Amparanoia sich nicht nur auf ein Jubeljahr beschränkt. Nach wie vor stellt sie die meisten Mestizo-Bands in den Schatten.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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