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Orkesta Mendoza – Old School Mambo auf Speed

Konzert am 14.05.2016 im Hafen 2, Offenbach am Main

Es gibt nichts, was man nicht erfolgreich wieder mal aus dem Hut zaubern könnte, Hauptsache, man packt es richtig an. Das Orkesta Mendoza übt sich in der Auferweckung etwas angestaubter Latin-Stile wie Mambo , indem es dieser Musik die Power gibt, die es heute braucht, um dabei einen Club zum Hüpfen zu bringen. Die Band aus Tucson/ Arizona komprimiert die Musik der Latin Music-Tanzorchester früherer Jahrzehnte auf die Besetzung und den Sound einer Rockcombo. Dies ist aber nicht die x-te Mestizo-Band, sondern die Wiedergeburt dessen, was Latin Music mal auf den Punkt brachte.

In den Fünfzigern gab es etliche, heute als eher amüsant wahrgenommene Latin-Adaptionen in den Charts wie den Tango „Hernando’s Hideaway“. In den Sechzigern tauchten die fröhlich-naiven Melodien von Herb Albert & His Tijuana Brass auf. Oder man erinnere sich an „Cerezo Rosa“ von Mambo-König Perez Prado, als Instrumental 1955 populär. Die Trompete gleitet hier hoch und runter, bevor die zackige Melodie losgeht. Derartige Songs hielten sich Jahrzehnte als „Evergreens“ im Easy Listening und wurden so allmählich Uropas Plattenschrank zugeordnet. Aus dieser Musiktradition heraus schöpft Sergio Mendoza seinen Stil und entdeckt den Latin-Sound der 40er bis 60er neu für die zu spät Geborenen. Doch mit Easy Listening-Sound hat Sergio Mendoza nichts am Hut. Er gibt dem Ganzen Speed, setzt die fröhlichen Melodien unter Strom und präsentiert alles mit mehr Tempo und einem knalligen Rock-Schlagzeug. Da wird zwar hier noch vom mexikanischen Sänger bei einem Ranchero geschmachtet und bei „Amada Amante“ geht der Trompeter ins Publikum, um dort beseelte Trompetenstöße von sich zu geben, aber immer wieder schlägt die Musik in Tempostücke um, die von der rockigen Gitarre Mendozas getragen werden. Das Offenbacher Publikum wurde schnell damit warm.

„Eine Latin-Bigband mit Punk-Attitüde“
, hat jemand über die Band bei ihrer letzten Europatour 2012 geschrieben. Wenn diese beiden Begriffe, Latin und Punk, heute im Zusammenhang gefunden werden können, dann geschieht dies meist bei den angesagten Mestizo-Gruppen. Diese beinhalten zwar auch eine stilistische Mixtur, die auf Latin Music basiert, sie reduzieren sich jedoch immer mehr auf eine schablonenhafte Partymusik mit einem rituellen Ska-, Reggae oder Cumbia-Rhythmus, Rap-Gesang und einigen Kicks mit der Rock-Gitarre. Mendoza hat damit nichts am Hut. Die sechs Herren in schwarzem Anzug und Schlips oder Smoking-Jacke verraten schon den Respekt vor den eigenen, eher mexikanisch geprägten Traditionen. Eigentlich spielen sie mexikanischen Mambo, Merengue oder Rumba mit heutigem Equipment, energetischer und mit einem Schuss Country oder Surf Sound und das genügt schon. Das braucht keine Rap-Einlagen oder Electro-Sounds und mit Punk hat es auch nichts zu tun. Dafür tauchen eine Klarinette und ein Akkordeon als Instrumente auf. Es funktioniert also auch ohne modische Elemente.

Diese eigene Herangehensweise abseits von Latin-Moden hat vielleicht damit zu tun, dass Sergio Mendoza aus der experimentierfreudigen Musikszene von Tucson kommt, wo er auch als Mitglied von Calexico in Erscheinung tritt. Vor vier Jahren war Mendoza schon mal in Offenbacher Hafen2. Jetzt klingt er kompakter und Sänger Salvador Duran sorgt für authentisches Feeling. So rettet man Old School Latin ins nächste Jahrtausend.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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