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Oscar-Film „Wild Tales“ – Rabenschwarze Komödie aus Argentinien

Der argentinische Episoden-Film „Wild Tales“ wurde 2015 als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert und ist der erfolgreichste Film aus Argentinien aller Zeiten.

Das Model Isabel (Maria Marull) und der Musik-Professor Salgado (Dario Grandinetti) sitzen nebeneinander in einem Flugzeug, als sie mit dem typischen Small Talk ein Gespräch beginnen, in dessen Verlauf sich herausstellt, dass Isabels Exfreund Pasternak der Musik-Schüler Salgados war. Als einige weitere Passagiere die Unterhaltung verfolgen, wird plötzlich klar, dass jeder einzelne eine Vorgeschichte mit Pasternak hat, und niemals ist es eine gute. Eine Flugbegleiterin befürchtet das Schlimmste, als sie – der Ohnmacht nahe – erwähnt, dass Pasternak ein Bordmitglied der Crew dieses Fluges sei. Wie diese Kurzgeschichte ausgeht, kann man sich vorstellen, vor allem wenn man das GermanWings-Unglück von 2015 im Hinterkopf hat, bei dem der psychisch kranke Co-Pilot wohl Selbstmord beging, indem er das Flugzeug in einen Berg rammte, und so 149 Personen mit in den Tod riss.

Damián Szifrons Film entstand weit vor dieser Katastrophe und erfand die Situation wohl eher als tiefschwarze und überzogene Farce, von der niemand dachte, dass sie in abgewandelter Form jemals passieren könnte. Dadurch entsteht vor allem beim deutschen Publikum nach der ersten Episode, die „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ fulminant eröffnet, ein fader Beigeschmack. Die weiteren Episoden sind von Grund auf unterschiedlich und haben miteinander nicht das Geringste zu tun. Das einzige, was ihnen gemein ist, sind Gewalt und eine unglaubliche Art von Zufall, durch die die Situationen und Szenerien in ihrer Eigenartigkeit oft kaum zu glauben sind, und dennoch so oder ähnlich passieren könnten (wie man ja auch an der Flugzeug-Episode sehen kann).

Die Kurzzusammenfassungen der weiteren Episoden lesen sich ebenso fast wie unglaubwürdige Zufälle, an deren Ende nur Chaos entstehen kann: Zwei Männer (Leonardo Sbaraglia & Walter Donado) rivalisieren sich auf einer abgelegenen Schnellstraße mitten in der Wüste und provozieren sich immer weiter, bis es zu einem irrwitzigen Showdown kommt. Eine Braut (Erica Rivas) crasht ihre eigene Hochzeit, als sie bemerkt, dass ihr Angetrauter (Diego Gentile) sie betrogen hat und wird daraufhin zur unzähmbaren Furie. Durch das Abschleppen seines Autos verliert der Sprengmeister Simón (Ricardo Darin) über Umwege seinen Job, seine Familie und viel Geld, wodurch der sonst ruhige Mensch geradezu implodiert und einen Rachefeldzug startet.

Jeder würde wohl gerne mal aus einfachsten Dingen ausrasten – entweder, weil einen das Pech zu verfolgen scheint, oder weil sich verschiedenste Dinge gegenseitig aufbauschen. Egal was einen zur Wut treibt, die meisten Menschen bleiben am Ende immer noch einigermaßen zurückhaltend und schlucken viel herunter. Nicht in Szifrons „Wild Tales“ – hier wird jede Geschichte bis auf die Spitze getrieben, alles endet in Ausbrüchen von Wut und Gewalt. Dabei kritisiert er viele Dinge, die in Argentiniens Gesellschaft falsch laufen – sei es das Privileg der Reichen und die Ausbeutung der Armen, der Betrug in der Familie oder gar der Frust über bürokratische Kleinigkeiten.

„Relatos salvajes“, so der argentinische Originaltitel der schwarzen Komödie, ist makaber, böse, wahnwitzig und einfach nur fies – also ein absolut sehenswerter Film aus Argentinien – und zurecht der bisher erfolgreichste aus diesem Land.


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