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Latin Music News #8 – Neue Musik aus Brasilien, Kolumbien, Chile & Haiti

In unserer Reihe Latin Music News stellen wir wieder aktuelle Musik aus Lateinamerika vor – heute mit neuen Alben aus Brasilien, Kolumbien, Chile und Haiti.

Jennifer Souza – „Impossível Breve“

Jennifer Souza – „Impossível Breve“

Novo Mundo, Broken Silence
Brasilien / Alternative Folk

Die letzten Jahre hatte man den Eindruck, die brasilianische Musikszene bemüht sich, eigene Varianten der Clubmusic auf den Weg zu bringen. Doch seit Kurzem kommen ganz andere Töne von dort. Weder Bossa noch Samba noch MPB noch Forró…, nein, Brasilien hat die Folk-Singer/Songwriter-Szene entdeckt. Immer öfter fallen Alben auf mit dezenten Klängen, verträumter Musik, reduzierter Instrumentierung, introvertiertem Gesang, leise, ohne große Betonungen. Das trifft auch auf die brasilianische Singer-Songwriterin Jennifer Souza zu. Da hört man natürlich Einflüsse der amerikanischen Alternative Folk-Szene heraus, Bands wie die Great Lake Swimmers zum Beispiel. Doch diese Wolke-Sieben-Musik passt nach Minas Gerais, dem Bundesstaat, aus dem Souza kommt – wie übrigens auch Milton Nascimento. Bestimmt wird diese zauberhafte Musik hauptsächlich von E-Gitarre, Drums und Chor. Da tut sich was gerade in Brasilien. Man sollte weiter die Ohren offen halten.

Nana – „Pequenas Margaridas“

Nana – „Pequenas Margaridas“

Novo Mundo, Broken Silence
Brasilien / Electro-Chanson

Einst wurde der französische Chanson vom brasilianischen Bossa Nova beeinflusst, jetzt scheint es umgekehrt zu sein. Die Stimme der brasilianischen Sängerin Nana klingt naiv bis engelsgleich und ist eindeutig vom Chanson beeinflusst. Allerdings gibt es musikalisch wesentlich andere Zutaten: viel Electronica, manchmal gar etwas Surf-Sound oder Kinderzimmer-Pop. Die Stimme ist recht hallig, die Beats relativ dominant und ab und zu klingt’s sogar ziemlich spacig, wenn nicht sogar krautrockig. Durch die kreative Weiterentwicklung des Chansons gewinnt Nana diesem völlig neue Eindrücke ab.

Chico Trujillo – „Reina De Todas Las Fiestas“

Chico Trujillo – „Reina De Todas Las Fiestas“

Barbès Records, Groove Attack
Chile / Cumbia

Was es nicht alles gibt! Beim beliebten Spiel, was denn noch nicht musikalisch gemixt wurde, bietet die chilenische Truppe Chico Trujillo eine bislang noch unentdeckte Variante: Sie kombiniert Cumbia mit Karnevalsmusik, in diesem Fall nordchilenischer. Musikalisch bedeutet dies, zur Cumbia-Musik gesellen sich Snaredrums und Fanfaren. (Wer es nicht weiß: Fanfaren sind ventillose Trompeten, die immer ein bisschen schräg klingen.) Die Band hat sich dazu mit der Banda Wiracocha zusammengetan, einer Art 30-köpfigem chilenischen Spielmannszug. Das mag live sehenswert sein. Die eh schon eingängigen Melodien klingen umso packender. Aber es sind auch traditionelle Instrumente, Trillerpfeifen und Chorgesänge dabei. Manchmal klingt das Ganze auch nach Tex Mex, wenn dazu ein flottes Akkordeon eingesetzt wird, oder nach Andenfolk mit entsprechenden Panflöten. Der Titel des Albums – Königin aller Partys – sagt alles. Da kann man sich noch mal die Kante geben.

Yara Linss – „Samambaia“

Yara Linss – „Samambaia“

Double Moon, Challenge Records International
Brasilien / MPB

Die Deutsch-Brasilianerin Yara Linss wirkt in ihrer Musik innerlich versunken. Sie bevorzugt eine dezente Begleitung mit brasilianischen Rhythmen, dazu erklingt ihre glasklare Stimme, von der wenig ablenkt. Sie scheint beim Singen jeden einzelnen Buchstaben zu genießen und konzentriert sich auf die Melodie. Auffallend ist die reduzierte Begleitung, Perkussion, Gitarre, etwas Saxofon-Improvisationen. Trotz vieler Rhythmik-Komponenten ist dies kein rhythmisches Album, es gibt viele rhythmische Wechsel, was den Fluss der Musik etwas vom fließen bzw. swingen abhält. Das fällt besonders im Kontrast zum letzten Titel auf, einem Bossa Nova, der ganz anders wirkt. Aber sich entwickelnde Musik muss ja auch nicht immer so sein, wie man es erwartet.

Rivière Noire – „Rivière Noire“

Rivière Noire – „Rivière Noire“

CPL-Music, Broken Silence
Brasilien, Guadeloupe, Frankreich, Mali / Weltmusik

Dass das Debutalbum von Rivière Noire in Frankreich als bestes Weltmusik-Album des Jahres ausgezeichnet wurde, lässt sich bereits im ersten Titel nachvollziehen. Musikalisches Crossover hat es in letzter Zeit immer mehr gegeben und war zunehmend von partytauglicher Musik besetzt, die eher musikalische Moden nebeneinander setzte als sie integrierte. Hier passiert etwas gänzlich anderes. Der Brasilianer Orlando Morais (voc), der Bretone Jean Lamoot (bg, progr., kb) und der von der Karibikinsel Guadeloupe stammende Pascal Danae (g, perc, kb) sind ein mehrsprachiges Weltmusiktrio, das sich u. a. nach Mali zu Salif Keitas Studio begab, um mit dortigen Musikern eine Musik einzuspielen, die tatsächlich stilistisches Neuland betritt. Hier hört man mehr, als nur die Verbindung der musikalischen Wurzeln einzelner regionaler Kulturen. Alles schillert in entspannten atmosphärischen Facetten, die aber zusammen keinem Stil eindeutig zuordenbar sind. Da gibt es den wunderbaren melancholischen Ansatz des Brasilianers, die sphärischen Klänge des Bretonen und die Einflüsse des Guadeloupen, durch den die Musik wiederum manchmal an die eindringliche Melodik des Angolaners Waldemar Bastos oder der Kapverden erinnert. Doch damit nicht genug. Immer wieder gebrochen wird diese sanfte, fast hingehauchte Musik durch die Sänger, Kora-Spieler und Perkussionisten aus Mali, die im Kontrast zum Trio eine unerwartete Intensität einbringen. Bereichert wird die Musik des Weiteren durch den Raum schwebende Chöre, O-Töne, elektronische Beats und manchmal Ausflüge in Rockmusik oder eine eher fröhliche Melodik. Eine ganze Menge Zutaten also, aber nichts wirkt hier zusammengeworfen. Alles atmet vielmehr miteinander. Ein großer Wurf von bislang so gut wie unbekannten Musikern. Man höre sich allein die Version der Drei von Cesária Evoras Song „Sodade“ an. Mehr Gefühl geht nicht.

Jean-Claude Martineau, Beethova Obas & TiCorn – „Zanmi Nou“

TiCorn Music, Silenzio
Haiti

Bleiben wir bei der Musik kleinerer Inselstaaten wie Haiti. Die deutsch-stämmige, haitianische Sängerin / Gitarristin TiCorn (Cornelia Schütt) und ihr Kollege mit dem wunderschönen Namen Beethova Obas widmen sich hier dem ebenfalls zu hörenden Komponisten und Sänger Jean-Claude Martineau. Der Untertitel „Chanson Créoles“ ist berechtigt, sind doch die meisten Lieder von eher sanfter, sehnsuchtsvoller Natur und erinnern manchmal auch an Chansons. Es gibt aber auch fröhliche und rhythmische Songs. Das Instrumentarium wird durch viele Gastmusiker vor allem mit Perkussion erweitert. Die Musik kommt insgesamt ziemlich unaufgeregt daher und könnte einen Schuss mehr Energie vertragen, lebt aber von geschmeidigen Melodien.

Microguagua – „Grandhotel Cosmopolis“

Microguagua – „Grandhotel Cosmopolis“

Kasba Music, mc-galileo
Spanien / Rock+Reggae-Crossover

Während Jamaikas Reggae immer mehr von Hip Hop und Pop verwässert wird, taucht er dafür außerhalb Jamaikas zunehmend in seiner ursprünglichen Form oder als Zutat auf. Bei der spanischen Band Microguagua z. B. als Mischung aus Rock und Reggae mit etwas Dub und Pop. Reggae mal weniger groovend als mit einer vitalen Rockstimme gesungen und von der Fuzzgitarre auf Vordermann gebracht. Eine durchaus gesunde Mischung.

Harry Allen – „Something About Jobim“

Harry Allen – „Something About Jobim“

Stunt Records, Sundance Records, New Arts International
Brazil Jazz

Es ist schon interessant, dass nach rund 55 Jahren Bossa Nova das Bedürfnis, Klassiker wie die von Antonio Carlos Jobim zu spielen, ungebrochen vorhanden ist. Er war nun mal eine perfekte Mischung aus Anspruch und Leichtigkeit. Der Tenorsaxophonist Harry Allen nahm sich die Band von Brasiliens Chanteuse Joyce Moreno, die hier auch teils mitsingt, und spielte viele von Jobims weniger bekannten Stücken ein. Beim bekanntesten Stück „Dindi“ macht er reinen Cool Jazz draus, als würde er den Jazz aus Jobim heraushören, obwohl dieser das nie so sah. Allens Spiel erinnert im Ansatz an Ben Webster. Rauchzartes Saxophonspiel für Freunde des inspirierten Dinner-Jazz. Ab und zu groovt es dennoch.

Sidestepper – „Supernatural Love“

Sidestepper – „Supernatural Love“

Real World, PIAS, Rough Trade
Kolumbien, England / Electro-Cumbia

Sidestepper ist ein Projekt des englischen Musikers Richard Blair, seines Zeichens Spezialist für lateinamerikanische Clubmusik englischer Prägung. Er hat sich hier mit kolumbianischen Musikern zusammengetan, die neben Gesang jede Menge Perkussion, Kalimba, Congas, Flöten und Gitarre einbringen. Passend zum momentanen Cumbia-Hype soll es sich hier um Electro-Cumbia handeln, was aber nur eingeschränkt nachvollziehbar ist. Eigentlich wird hier gejammt und dabei gibt es rhythmisch wesentlich eher Ähnlichkeiten mit afrikanischen Musikstilen wie Juju Music und Souskous denn mit Cumbia. Von dort her stammen eher die Gesänge und Melodien. Man muss allerdings erwähnen, dass insgesamt kolumbianische Musik oft mehr afrikanische Elemente hat, als man ahnt. Gleichwohl schleicht sich auch mal ein Calypso ein. Das große Plus der Band sind ihre vereinnahmenden Rhythmen, die einen nicht loslassen. Andererseits passiert in den Stücken oft zu wenig. Minutenlang wird sozusagen ein Zweizeiler wiederholt und dann ist das Stück fertig. Die englisch gesungenen Stücke haben mehr schwebenden Charakter und sind meist gitarrenbasiert, die spanisch gesungenen werden eher von der Perkussion getragen. Klingt insgesamt durchaus unverbraucht und geht in die Beine.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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