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Neue lateinamerikanische Musik in den Latin Music News #21

Unser Musik-Experte Hans-Jürgen Lenhart hat sich einmal mehr die Neuerscheinungen der letzten paar Monate zu Ohren geführt und berichtet wie immer darüber in unseren Latin Music News:

Chico Buarque – „Caravanas“

Chico Buarque – „Caravanas“Biscoito Fino, mc-galileo
Brasilien / MPB

Schon länger klingt der brasilianische Sänger Chico Buarque im Vergleich zu seinen frühen Aufnahmen besinnlicher, was vielleicht auch daran liegt, dass er inzwischen eine zweite, nicht unbedeutende Karriere als Schriftsteller verfolgt. Textlich mag er daher deswegen interessant sein für Leute, die des Portugiesischen mächtig sind, für die anderen entsteht eher der Eindruck eines halb gesungenen Textvortrags mit dezenter musikalischer Untermalung. Weder rhythmisch noch melodisch bleibt da viel hängen. Das Duett mit seiner 18-jährigen Enkelin Clara Buarque und der swingende Titelsong ragen als einzige Aufnahmen heraus. „Caravanas“ ist sein stärkster Titel. Warum der erst zum Schluss kommt, bleibt ein Rätsel, andere hätten so was als Opener genommen.

Juan de Marcos + Afro-Cuban All Stars – „Absolutely Live II (Viva Mexico!)“

Juan de Marcos + Afro-Cuban All Stars – „Absolutely Live II (Viva Mexico!)“DM Ahora! Productions
Kuba / Son

Vom Buena Vista Social Club spricht heute jeder, nicht alle wissen aber, dass diese Band nichts weiter war als die Afro-Cuban All Stars des kubanischen Sängers und Tres-Spielers Juan de Marcos mit den heute legendären Gästen wie Ibrahim Ferrer, die Marcos aus der Versenkung holte. Daher ist es Zeit, dass er in dem ewigen Rummel um noch ein bisschen mehr Buena-Vista-Bands wesentlich mehr zur Kenntnis genommen wird. Das Repertoire dieser Konzertaufnahme aus Mexiko, wo er inzwischen lebt, reicht von Afro-Cuban Jazz wie „Yaimara’s Groove“, wo Havana auf New Orleans trifft, bis zum 1950s-Style-Pilón und es beinhaltet eine neue Version von Ibrahim Ferrers Hit „Candela“. Seine Töchter spielen inzwischen auch mit und wer ihn auf der kürzlich stattgefundenen Deutschland-Tournee genossen hat, wird für dieses Album (plus DVD) dankbar sein.

Simpkin Project – „Beam Of Light“

Simpkin Project – „Beam Of Light“Dub Rockers, VP Music
USA / Roots Reggae

Das Simpkin Project des Sängers Phil Simpkin aus Kalifornien ist ein weiteres Beispiel der nicht uninteressanten US-amerikanischen Roots Reggae-Szene. Ob es daran liegt, dass es sich hier um eine weiße Band handelt, mag man spekulieren, aber sie klingt teilweise schon etwas anders als die jamaikanischen Originale. Sänger Simpkin wirkt relativ clean und der Drummer spielt auch nicht immer den typischen Reggae-Beat. Er betont oftmals anders als der Gitarrist, dadurch wirken diese Stücke poppiger. Nun muss man Reggae aber auch nicht immer so spielen, wie es schon tausend Andere zuvor gemacht haben. Überhaupt stellt sich die Frage: Was kann man dem Roots Reggae noch Neues abgewinnen? Spätere Stile haben sich schon lange aus ihm entwickelt und Crossover-Verbindungen sind noch lange keine Innovation. Am besten klingt Roots Reggae wohl, wenn er einfach nur gut aufgenommen ist und emotional gesungen wird, also gerade wenig Experimente macht.

„Strictly The Best Vol. 56 (Reggae Edition)“

„Strictly The Best Vol. 56 (Reggae Edition)“Verschiedene Künstler
Dub Rockers, VP Music
Jamaica / Roots Reggae

Das gilt auch für die Kompilation „Strictly The Best Vol. 56“, der Roots Reggae-Ausgabe. Fast klingt das aber nach einer Lovers-Rock-Edition, denn hier werden eher Damen angeschmachtet als Babylon verdammt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass viele Beispiele versammelt sind, die den verstärkten Einfluss von amerikanischem R&B, New Soul u. ä. zeigen. Das erinnert fast an die Anfangszeit des Reggaes. Wie dem auch sei, insgesamt geht alles gut ins Ohr. Am besten davon z. B. Romain Virgo, der hat nämlich den besseren Schmelz in der Stimme und klingt knackig. Wenn man völlig vor Liebe vergeht, dann hat das so zu klingen. Immer gut ist es auch, auf einen Oldie zurückzugreifen wie bei Droop Lion. „Have You Ever Seen The Rain“ von CCR hat schon mal funktioniert und als Reggae hört man das auch noch gern. Iba Mahr singt zwa-ha-ha-har beim Si-hi-hi-ingen wie eine Ziege, aber dadurch fällt er auf. Noch lustiger ist Spiritual und er hat auch den besten Groove. Auch die nicht ganz unbekannten Raging Fyah sind dabei und die haben sich hier mit der brasilianischen Musikgruppe Cidade Negra zusammengetan. Wer wissen will, wie sich heute der Reggae-Nachwuchs anhört, sollte „Strictly The Best“ mal ausprobieren.

„Levanta Poeira“

„Levanta Poeira“Verschiedene Künstler
Jazz & Milk, Kudos Records
Brasilien / Traditionelles im Remix

Eine vom brasilianischen Plattensammler und DJ Tahira erstellte Kompilation, auf der rhythmusbetonte Kleinode afrobrasilianischer Musik aus 40 Jahren für den Dancefloor neu abgemischt wurden. Das ist im Prinzip nichts Neues, aber hier wurden die Originale recht dezent bearbeitet, d. h. keine Beimischung von programmierten Beats, höchstens ein paar Studio-Effekte. Der ursprüngliche Charakter der Stücke bleibt erhalten und so haben die weitgehend traditionellen Stücke eine Chance auf ein neues Publikum. Opener ist aber ein bekannter Name: Gilberto Gils Hit „Toda Meninha Baiana“. Der sehr afrikanisch klingende Rhythmus wird zu Beginn erst allmählich aufgebaut und so dauert es fast fünf Minuten, bis die Melodie beginnt. Ein echter Tipp für den Dancefloor also. Das gilt auch für die fantastische Body-Percussion-Group Barbatuques, die mit einem Forró folgt. Auch Renata Rosa braucht nur Trommeln und Gesang, ist aber melodisch und rhythmisch packend. Der Bassist Maga Bo wurde von Chico Correa geremixed, der einige Flöten, tiefe didgeridoo-artige Bässe und Coco-Beats dazu mischte. Geht den Jüngeren bestimmt ins Ohr, ohne sich selbst zu verleugnen.

„Calypso Madame!“

„Calypso Madame!“Verschiedene Künstler
Maaula Records/ Broken Silence
Calypso

Der Calypso erlangte seine höchste Popularität mit Harry Belafonte, was aber schon denkbar lange her ist. Dieser fröhliche Stil aus der Karibik taucht seitdem im Bereich der Latin Music oder im Repertoire von Latin Bands leider eher selten auf, was daran liegen mag, dass er vom Soca und Rapso abgelöst wurde. Aus den frühen Sechzigern scheinen die vom Musikliebhaber Tom Stakhanov gesammelten Calypso-Scheiben zu stammen, aus denen diese Kompilation erstellt wurde. Sie würdigt vor allem die Sängerinnen des Calypsos. Interessant ist dabei auch, dass die Südafrikanerin Miriam Makeba zwei Beiträge dabei hat. Einer davon ist eine Ballade mit gestopfter Trompete und Spinett, bei der der typische Calypso-Gestus fehlt. Im zweiten Stück vermittelt sie, wie nah der Calypso der afrikanischen Musik ist. Auch die Sängerin Josephine Premise ist zu erwähnen, die Chanson mit Calypso verband und eine sehr klare Stimme hat. Belafontes Hits wie „Coconut Woman“ sind hier auch zu hören, wenngleich in schnellerem Tempo.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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