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  • Tango, Salsa, Pop, Bossa Nova und O-Ton-Musik in den Latin Music News #6
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Tango, Salsa, Pop, Bossa Nova und O-Ton-Musik in den Latin Music News #6

Nach zwei Monaten ist nun wieder Zeit für die Latin Music News, in denen diesmal auch Alben dabei sind, die zwar nicht in Lateinamerika entstanden sind, aber sehr von lateinamerikanischer Musik beeinflusst wurden.

Nils Fischer & Timbazo – Rumberos A MontónNils Fischer & Timbazo – Rumberos A Montón

Timbazo Productions, Sireena Records, Broken Silence
Salsa

Timba, Salsa und Latin Jazz scheinen ein Selbstläufer zu sein. Ungebrochen ist die Beliebtheit kubanischer Musikstile in Europa. Der deutsche, aber in den Niederlanden lebende Perkussionist Nils Fischer hat sein neues Album mit einer Menge bekannter kubanischer Musiker eingespielt, darunter solch vorzügliche wie den Trompeter Alexander Bareu Manresa. Die Truppe heizt mächtig ein und wagt sich auch mal erfolgreich an Genreuntypisches wie Marvin Gayes „What’s Going On“. Energetisch bis zum Abwinken.

It Takes Two To TangoIt Takes Two To Tango

(Verschiedene Künstler)
Edel, Winter & Winter
Argentinien / Tango Argentino

Schon immer auf der Suche nach einer Zusammenstellung von Tango-Klassikern wie „Volver” oder „La Cumparsita“? Wer derartige Stücke nicht unbedingt im Original mit Schellackplattenrauschen hören will, sondern eine empfehlenswerte Zusammenstellung mit gekonnten Interpretationen in guter Aufnahmequalität, der liegt hier richtig. Zumeist sind es Instrumentalaufnahmen, mal eher mit Gitarre oder mit Bandoneon und Klavier, bei denen berühmte Werke von Carlos Gardel oder Agustín Bardi zum Leben erweckt werden. Der 2010 verstorbene Gitarrist Aníbal Arias sowie der 2014 verstorbene Bandoneon-Spieler Osvaldo Montes sind dafür verantwortlich. Außerdem zeigen der Pianist und Arrangeur Andrés Linetzky sowie die renommierte Sängerin Lidia Bordes, dass hier hochkarätige Musiker am Werk sind. Gleich im ersten Stück geht es dynamisch und mit eingebautem perkussivem Spiel auf den Instrumenten zur Sache. Es sind alles Musiker, die dazu beitrugen, dass nach einer Flaute in den 80ern in den Tango-Bars von Buenos Aires heute wieder live gespielt wird und keine Musikkonserve erklingt.

Gilbert O’Sullivan – Latin Ala G!Gilbert O’Sullivan – Latin Ala G!

Union Square Music, Soulfood
Latin Pop

Man mag sich wundern, was Gilbert O’Sullivan in einer Latin-Kolumne zu suchen hat. Seine große Zeit ist schon um die 40 Jahre her. Er hatte ein großes Talent für Ohrwürmer und schrieb Welthits wie „Clair“. In den 1990ern schaffte er es, in Japan groß rauszukommen und er fasst seit kurzem wieder in England bzw. Irland Fuß. Sein neues Album „Latin Ala G“ ist eine Hommage an das Album „Latin Ala Lee“ der von O’Sullivan verehrten amerikanischen Sängerin Peggy Lee aus dem Jahr 1960. Hier sang die 2002 verstorbene Sängerin Broadway-Hits in afro-kubanischen Arrangements. O’Sullivan zitierte das Peggy Lee-Cover auf seinem Album und begab sich zu den Aufnahmen nach Spanien, so dass hier mit dezent eingespielten Flamenco-Gitarren, Latin Perkussion und auch mal einem Bossa Nova-Rhythmus sowie leicht an Samba-Chöre erinnernde Backgroundgesänge ein eher subtiles Latin-Feeling entstand. Starke Melodien, flüssige Rhythmen, aber keine stampfenden Rocker im Sinne seines Hits „Get Down“ prägen das Album. Hier gibt es vielmehr einige Lehrbeispiele, was dezente Latin-Arrangements in der Popmusik sind. Davon abgesehen zählt das Album zu seinen besten seit vielen Jahren und das Duett „I Guess I’ll Always Love You“ hat sogar das Zeug, noch mal ein ganz großer Hit zu werden. Es imponiert, dass er mit 69 Jahren noch Experimente wagt und es noch mal wissen will.

Caterina In Italia – Caterina Valente Canta Luiz BonfáCaterina Valente – Caterina In Italia & Caterina Valente Canta Luiz Bonfá

Vocalion, harmonia mundi
Brasilien / Bossa Nova

Wenn jemand in Deutschland bereits in den fünfziger Jahren zur Verbreitung der lateinamerikanischen Musik beigetragen hat, dann war es Caterina Valente. Sie war und ist ein Weltstar und in Brasilien galt sie damals als die beste ausländische Interpretin lateinamerikanischer Musik! Noch 1980 traten u. a. Gilberto Gil und Tom Jobim in Rio in einer eigenen Show auf. Jetzt wurden zwei ihrer Alben aus dem Jahr 1963 wiederveröffentlicht, bei denen sie Bossa Nova-Klassiker singt. „Caterina In Italia” bietet neben bekannten italienischen Liedern, amerikanischen Jazz-Standards und deutschen Hits zwei bekannte Tom Jobim-Stücke: „Corcovado“ und „Samba Di Una Nota“. Die Arrangements auf beiden Alben orientieren sich an denen der Originale, gesungen wird aber ausnahmslos auf Italienisch, obwohl es sich hier um die deutsche Ausgabe des Albums handelt. Aber auch sonst tauchen in den nicht-brasilianischen Stücken lateinamerikanische Rhythmen auf. Eine merkwürdige Mischung also. Kann es sein, dass der Crossover-Style, den heute Global Pop-Gruppen für sich beanspruchen, schon wesentlich früher angesagt war? Irgendwo schon, aber damals mischte man gerne mal zusammen, was gerade en vogue war, Hauptsache es wirkte irgendwie nach Süden, Exotik und Fernweh.

Luiz Bonfá kennt man als Komponisten des wunderschönen Titelsongs des brasilianischen Filmklassikers „Orfeu Negro“. Der brasilianische Gitarrist spielt auf „Caterina Valente Canta Luiz Bonfá” selbst zu seinen Kompositionen. Dazu dezente afro-brasilianische Perkussion, ein Orchester mit Streichern und eine Caterina Valente, die zeigt, dass sie die Melancholie des Bossa Nova genauso gut erfassen kann wie sonst ihre Kaspereien. Über 50 Jahre später kann man das in Berlin eingespielte Album als entspannte Easy Listening-Scheibe nehmen. Es gibt zwar auch eine portugiesischsprachige Version des Albums, doch war beim europäischen Publikum italienisch wohl besser vermarktbar. Immerhin führte das Album dazu, dass Luiz Bonfá damals zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen auftrat, nämlich in Valentes TV-Show „Bonsoir, Kathrin!“ Heute ist so was absolut undenkbar, selbst auf ARTE geschieht das Auftauchen brasilianischer Musiker eher versehentlich. Diese Kultur existiert im deutschen Fernsehen nicht. In den Sechzigern sorgten Schlagerstars (so auch Freddy Quinn) immerhin für das Kennenlernen lateinamerikanischer Stars beim normalen Publikum. Heute gibt es so was nur noch für Spezialisten nach 23 Uhr. Insofern ist diese Wiederveröffentlichung als deutsch-brasilianisch-italienische Kooperation eine historische Besonderheit.

Chassol – Big SunChassol – Big Sun

Tricatel, Broken Silence
Martinique / O-Ton-Musik

Der aus Martinique in der Karibik stammende Avantgardemusiker Christophe Chassol hat mit „Big Sun“ seiner Heimat ein mehr als ungewöhnliches Denkmal gesetzt. Das Album verwendet Feldaufnahmen aus einem Dokumentarfilm und O-Töne. Das Spektrum reicht von Vogelgesängen, Gesprächen, Gedichtvorträgen und Gesängen der Einwohner Martiniques, Flötenspiel, Karnevalklängen, Muschelhornechos bis zu Ozeangeräuschen und vielem mehr. Doch ist dies nur das Rohmaterial für die Musik. Chassol loopt Teile der Filmaufnahmen / O-Töne und nutzt deren Melodik. Er ist in der Lage, synchron zur Sprachmelodie eines Sprechenden Keyboard zu spielen und darüber nach einer Weile mit dem Loop als Hintergrund zu improvisieren. Gleiches gilt für Vogelzwitschern und vielem mehr. Einige Mitmusiker, vor allem ein Drummer, unterstützen ihn dabei. Eine zufällige Sprachaufnahme eines Bewohners kann so zu einer Art mit aus der Rede erschaffenen Breakbeat und musikalischer Begleitung werden. Eine geniale Idee. Die Musik variiert zwischen ungewohnt und verblüffend, aber auch zwischen Hörbild und Filmmusik. Es ist bereits das dritte Album Chassols in dieser Art und vermittelt eine bis dahin kaum bekannte Technik, Sprache und Geräusche eines Landes musikalisch zu verarbeiten. (Nur vom Brasilianer Hermeto Pascoal sind vergleichbare Aufnahmen bekannt.) Aus Feldaufnahmen wird so eine Art O-Ton-Musik. Und dieser Begriff trifft es auch am besten, obwohl Chassol seine Methode „Ultrascores“ nennt. Zum Album gibt es außerdem eine frei downloadbare Filmfassung mit all den Begegnungen, die die Grundlage des Albums ergaben. Eine Menge musikalischer Weiterverarbeitung, Improvisation und Mixing sowie metrische Anpassung war notwendig, um alles derart natürlich wirken zu lassen. Auch wenn die dabei entstandene Musik manchmal gewöhnungsbedürftig erscheint, ist dieses Werk allein von seiner Komplexität und dem Konzept her als revolutionär zu bezeichnen. Besonders live beeindruckt Chassol, der dabei die Filme vorführt, zu deren Tönen er improvisiert.


Hans-Jürgen Lenhart schreibt als regelmäßiger Gastautor für das deutsche Lateinamerika-Magazin Latin-Mag. Er ist Musikjournalist und seit über 20 Jahren Experte für Latin Music. In der Artikelserie Latin Music News berichtet er alle zwei Monate über Neuerscheinungen in der lateinamerikanischen Musikszene.

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