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„Escobar – Paradise Lost“ – Fiktionaler Gangster-Thriller statt Biopic

Andrea di Stefanos Debütfilm über Pablo Escobar bedient sich zwar nicht immer nur an wahren Begebenheiten wie bei einer üblichen Filmbiografie, ist aber dennoch und vielleicht gerade wegen der Unterwanderung mit einer fiktiven Geschichte ein sehr spannender Gangster-Thriller.

So werden in „Escobar – Paradise Lost“ die wirklichen zwei Seiten des größten kolumbianischen Drogenbarons aller Zeiten perfekt in Szene gesetzt: auf der einen Seite als absoluter Wohltäter für das Volk Kolumbiens und seiner Heimatregion um die Großstadt Medellín sowie als treuer Familienmensch, andererseits als brutaler Krimineller, der vor Mord an Polizisten, Anwälten, Richtern und sogar an Personen im engsten Bekanntenkreis nicht zurückschreckt. Zu dieser Belichtung des 1995 auf der Flucht verstorbenen Pablo Escobars wird eine Liebesgeschichte im Surfer-Milieu untergemischt, die zwar fiktiv eingearbeitet wurde, aber so zur Unterhaltung und Emotionalisierung des Film besonders gut beiträgt.

Der Surfer Nick (Josh Hutcherson) lässt sich in Strandnähe an Kolumbiens Küste mit seinem Bruder Dylan (Brady Corbet) nieder, um dort ein alternatives Leben in einer Art Surf-Camp auf die Beine zu stellen. Während dieser Zeit lernt Nick die einheimische Maria (Claudia Traisac) kennen und lieben. Es stellt sich heraus, dass sie die Nichte des in großen Teilen Kolumbiens sehr bekannten Drogenbarons Pablo Escobar (Benicio del Toro) ist und dessen karitative Arbeit für das kolumbianische Volk – trotz Finanzierung durch seine Kokain-Millionen – unterstützt. So wird Nick am Ende nicht nur in die engste Familie Escobars aufgenommen, sondern gerät auch immer weiter in das kriminelle Milieu des Drogengeschäfts hinein.

Man merkt Nick während des gesamten Films eine gewisse Skepsis an, ob er wirklich dieses halb-legale Leben führen möchte. Josh Hutcherson glaubt man in jeder Sekunde die Naivität und Unsicherheit seiner Figur, die für die große Liebe einige Hürden nehmen muss. Claudia Traisac wiederum spielt Nicks ebenfalls sehr naive und grundsympathische Freundin Maria mit einer Leichtigkeit, die einen fast vergessen lässt, dass das eigentliche Thema des Filmes sehr schwer zu verdauen ist. Doch in den Schatten gestellt werden die guten Leistungen beider Jung-Schauspieler durch den grandiosen Benicio del Toro, der den sympathischen Drogenbaron so perfekt darstellt, dass man oft selbst nicht genau weiß, ob man die Figur nun mögen soll oder eben nicht. Genauso muss es dem kolumbianischen Volk gegangen sein, das sich in den 90er Jahren durch eine geschickt gezeichnete Fassade vom Familien-Clan Escobar hinter’s Licht führen ließ.

Nach einem leicht verwirrenden Beginn des sehr atmosphärisch in Szene gesetzten Filmes, durch den die bevorstehenden Ereignisse schon etwas vorweggenommen werden, wird dann erst einmal die Erzähl-Geschwindigkeit zurückgeschraubt und die Liebesgeschichte des Paares sowie die Aufnahme Nicks in die Familie dargestellt. Immer wieder kommt es zwar zu Kontakt zu kriminellen Machenschaften, doch richtig Fahrt nimmt der Film dann erst gegen Ende auf, als man den inneren Konflikt Nicks beinahe persönlich miterlebt. Dadurch entsteht im letzten Filmdrittel eine Spannung, die man sich von einem guten Thriller wünscht und die bis zum Ende anhält. Alles in allem ist der Film zwar kein gigantisches Gangster-Epos wie „Der Pate“, sondern eher ein mit ein paar reellen Ereignissen bespickter Thriller inklusive glaubwürdiger Liebesgeschichte, der aber dennoch absolut sehenswert und unterhaltend ist.

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1 Comment

  1. Eric

    Ich finde dieser Film bringt allgemein viel Spannung mit von Anfang an mit. Der ist Richtig gut. Ich habe mir so alle möglichen Escobar Filme angeschaut und Escobar – Paradise Lost steht ganz oben auf der liste.
    LG

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